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Sie nennt es ihr „Lebensprojekt“: Friseurmeisterin Almasija Heße unterstützt das Unicef-Engagement, in Afrika mehr Trinkwasser bereitzustellen. Dafür sammelt sie in ihrem Salon „Hair Lounge“ an der Großen Diesdorfer Straße Geld, spannt Stadtfelder Unternehmen ein, organisiert jedes Jahr ein Sommerfest, wird nicht müde, zu informieren, setzt sich für Integration und ein besseres Miteinander ein. Die aktuelle Mission ist, einen sechsten Brunnen zu finanzieren.

Unternehmerin aus Magdeburg-Stadtfeld

Friseurmeisterin Almasija Heße (r.) und ihre Auszubildende Mheret Goytom aus Eritrea zeigen die Unicef-Spendenbox und ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Wasser ist Leben“. Trinkgeld und Erlöse wandern in die Box. Dazu kommen Spenden von Sponsoren, zumeist Stadtfelder Unternehmen. Foto: Manuela Bock

Von Manuela Bock

Wenn Almasija Heße von ihrer Vergangenheit spricht, wird sie emotional. „Ich bekomme Gänsehaut“, sagt sie. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Ihre Kindheit hat die gebürtige Tatarin in ärmlichen Verhältnissen verbracht. „Es gab keine Wasserleitungen, ich habe bei minus 30 Grad Eimer geschleppt, zum Himmel geschaut und Gott nach dem Warum gefragt“, erinnert sie sich. Die 51-Jährige lebt seit 29 Jahren in Deutschland. Sie hat gekämpft, mit der Sprache, mit der Kultur, wollte sich hier etwas aufbauen. „Ich habe bei null angefangen, wollte so unbedingt, etwas lernen und mir ein schönes Leben aufbauen“, erinnert sich Almasija Heße. Seit 23 Jahren hat sie ein eigenes Friseurgeschäft. Sie sagt: „Mir geht es gut, darum möchte ich etwas zurückgeben.“

Diese Erinnerungen gehören dazu, wenn man über die Motivation spricht, die sie antreibt, das Wasser-Projekt von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, zu unterstützen. Vor vielen Jahren kreuzte eine Unicef-Mitarbeiterin den Weg der Magdeburgerin. Die Idee für ihr Vorhaben, das zu ihrem „Lebensprojekt“ geworden ist, war geboren. „Ich sammle mit meiner Kundschaft Spenden für Brunnen in Äthiopien“, sagte sie und zögerte nicht lange. Seither steht neben der Kasse in ihrem Salon eine Spendenbox. In Regalen liegen T-Shirts, mit deren Kauf das Unicef-Projekt unterstützt wird. Eine große Tafel an der Wand zeigt einen Ausschnitt des afrikanischen Kontinents. Fünf Unicef-Zertifikate sind auf Regionen verteilt, zeigen, wo dank ihrer Spenden nach Wasser gebohrt und ein Brunnen angelegt worden ist. In diesem Jahr soll Zertifikat Nummer sechs dazu kommen.

Wer zu Almasija Heße in den Salon kommt, kennt die Tafel und ihre Bedeutung. „Meine Kunden sind großartig, spenden oft noch etwas dazu“, sagt sie. Was zur Summe von 6200 Euro fehlt, die für ein Brunnenbau notwendig ist, sammelt die Stadtfelderin bei ihren Sommerfesten. „Sexy in the city“: Unter diesem Motto lädt sie ihre Nachbarn ein, prominente Elbestädter unterstützen das Fest. Das nächste soll am 30. August stattfinden. Vorher und nachher „putzt sie Klinken“, sammelt kleine und große Summen bei Unternehmen im Stadtteil.

Die Unicef-Mitarbeiter halten sie auf dem Laufenden, garantieren, dass ihr Geld dort ankommt, wo es so sehr gebraucht wird. Almasija Heße zeigt Briefe und Artikel, in denen steht, dass ihr „Brunnen-Engagement einzigartig“ sei. Sie zeigt auch ein Fotoalbum, das ihr Kunden geschenkt haben, die in Afrika unterwegs waren. Zu sehen sind darauf Menschen, die in langen Schlangen anstehen, um Trinkwasser zu bekommen.

Was die Magdeburgerin besonders am Brunnenprojekt schätzt, ist die „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sie erklärt: „Die Bewohner werden geschult, wie das Wasser sauber gehalten wird. Sie sind auch für die Instandhaltung verantwortlich. Almasija Heße ist Nachhaltigkeit wichtig: „Ein Tropfen auf den heißen Stein bringt niemanden etwas, wir müssen dauerhaft etwas tun.“ Das bezieht sie auch auf das Zusammenleben in ihrer unmittelbaren Umgebung. „Ich bin sehr dankbar, dass mich so viele Stadtfelder unterstützen“, sagt sie. „Aber ich würde in Stadtfeld gern noch alle näher zusammenbringen, Menschen und Kulturen.“ Wie das im Kleinen geht, beweist sie in ihrem Salon.

Mit ihren beiden Auszubildenden Ljuba Saiko aus der Ukraine und Mheret Goytom aus Eritrea zeigt sie, wie gut Integration funktionieren kann. Das Flüchtlingsthema beschäftige sie sehr, sagt die Friseurmeisterin. Dass eines Tages Mheret in ihrem Salon stand und fragte, ob sie hier eine Ausbildung machen könne, hält die Magdeburg nicht für einen Zufall. Sie nennt es Schicksal.

Mit einem Schlauchboot 2016 geflüchtet, kam die heute 23-Jährige ohne Sprachkenntnisse, dafür mit vielen Träumen über Umwege nach Magdeburg. Seit zwei Jahren lernt sie bei Almasija Heße das Friseurhandwerk. „Sie bestätigt mir, dass es richtig ist, für Unicef zu sammeln“, sagt die Stadtfelderin, die von ihrem Mann und ihrem Sohn – beides ebenfalls selbstständige Unternehmer – tatkräftig unterstützt wird. „Es ist harte Arbeit, das Geld zu sammeln“, sagt sie. Wenn sie im Sommer den sechsten Scheck an Unicef übergibt, wird die Friseurmeisterin wieder überglücklich sein. „Das war bis jetzt jedes Mal so“, sagt sie. Und jedes Mal hat sie sofort wieder von vorn angefangen. „So lange ich atme, werde ich Menschen helfen und dafür sorgen, dass sie Wasser bekommen. Ohne geht es nicht.“

Viele Magdeburger engangieren sich. Über diese Menschen berichtet „Mein Stadtfeld“.

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