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Wenn das Leben einem Menschen über neun Jahrzehnte Lebenszeit schenkt, sind das nicht nur Sonnenseiten. Wera Woyde kann auf 91 gelebte Jahre zurückblicken und lässt die Leser von „Mein Stadtfeld“ an ein paar Momenten ihres Daseins teilhaben.

Vera Woyde

Foto: Steffi Pretz

Von Steffi Pretz

Fotos ihrer Kinder, Enkelkinder und Urenkel an den Wänden zeugen davon, dass die Stadtfelderin den Kalender im Leben oft umblättern durfte. Ihre Augen leuchten, als sie von ihrer Kindheit erzählt, die sie trotz strenger Pflichten und früher Verantwortung als sehr schön beschreibt. „Meine Eltern haben viel gemacht für mich, obwohl sie im eigenen Schuhgeschäft immer eingebunden waren. Aber der Zusammenhalt in der Familie war immer da.“ Dafür ist sie dankbar. Genau dieser Zusammenhalt in den Familien fehle ihrer Meinung nach heute oft. Viele Eltern haben nicht mehr wirklich Zeit für die Kinder. Alte Spiele, die ohne Display und Akkus auskommen, geraten in Vergessenheit. „Wer von den Kindern kennt schon noch das Peitschen bunter Kreisel über den Asphalt oder diese wackelige Angelegenheit, auf Stelzen zu laufen. „Wir haben viel auf der Straße gespielt und vor allem haben wir miteinander gespielt und nicht nebeneinander, so wie es heute die Kinder mit dem Handy in der Hand oft tun.“ Und auf die Frage, ob sie auch so etwas besitze, lächelt sie und sagt: „Nein, das brauch ich nicht. Ich habe ein Telefon und ansonsten rede ich mit Menschen gern, wenn ich auch bei ihnen sein kann. Wie früher eben.“

Aus der alten Zeit vermisst sie auch gutes Benehmen. Nicht alle böten ihr einen Platz in der Straßenbahn an. „Aber Kinder lernen nur, was man ihnen vorlebt. Die Gesellschaft ist rücksichtslos geworden“, sagt die Seniorin wehmütig. Es gäbe aber auch viel Grund zur Freude. Einer davon ist ihre Familie, ihre Enkelin und ihr Urenkel. Gern geht sie einmal in der Woche zum Awo-Treff „Herrmann-Beims“. Dort trifft sie viele Bekannte und bei Kaffee und Kuchen kann sie sich austauschen. Über Aktuelles in ihrem Leben und auch über alles, was sie erleben durfte und auch verkraften musste.

Seit 50 Jahren wohnt sie nun schon in Stadtfeld, die ersten schönen Jahre gemeinsam mit ihrem Mann. Gern erinnert sie sich an diese Zeit. Seit 38 Jahren lebt sie nach dem Tod ihres Mannes nun schon allein und auf die Frage, ob sie nie daran gedacht hatte, wieder eine Partnerschaft einzugehen, antwortet sie: „Nein, das hat sich nicht richtig angefühlt. Ich hatte einen wunderbaren Mann. Das war etwas fürs Leben und das wollte ich nie einfach ersetzen.“ Diese Liebe ihres Lebens kennenzulernen war das Größte und Schönste für sie. „Es sind die Dinge, die man nicht kaufen kann, auf die es tatsächlich ankommt im Leben, wie Ehrlichkeit, Fleiß und Empathie. Dankbar sein für die Menschen, die wir um uns haben und die uns lieben.“ Eine große Demut schwingt ihn ihren Worten mit. Ein Geheimrezept fürs älter werden bei guter Gesundheit hat Wera Woyde nicht direkt, aber einen Rat: „Man muss das Leben nehmen, wie es kommt und dann einfach das Beste daraus machen.“

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