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Es geht um nichts Geringeres als um mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt. In Magdeburg gibt es einen Verein, der sich dafür engagiert, dass die Menschen wertschätzender miteinander kommunizieren und freundlicher zueinander sind. Inspiriert von der internationalen Organisation „World Kindness Movement“ haben Magdeburger 2017 einen Verein aus der Taufe gehoben. Natürlich am 13. November, dem „World Kindness Day“ – dem Welt-Nettigkeitstag.

Magdeburger Kindness e.V. Foto: Joana Obenauff
Magdeburger Kindness e.V. Foto: Joana Obenauff

Alle Fäden für die Arbeit laufen beim Gründer in Stadtfeld zusammen. Viele Mitglieder wohnen auch im Stadtteil. Das Vereinsnetz spannt sich jedoch über die gesamte Elbestadt, weil Kultur nicht an Grenzen aufhört.

Kindness, das klingt schon so schön. Genau wie „einfach nett sein“. Mit dem Zusatz „Magdeburger“ und der richtigen Schreibweise, kommt fast jedem Einwohner sogleich das passende Lied in den Sinn. „Denn ich bin, ich bin ein Magdeburger Kind …“ Verknüpft mit dem Gründungstag am 13. November, ergibt sich fast wie von selbst das Ziel des Vereins. An diesem Tag ist „World Kindness Day“.

Vor zwei Jahren haben sich am „Welt-Nettigkeitstag“ in Stadtfeld eine Handvoll Magdeburger getroffen, um die Lebensqualität in ihrer Heimatstadt zu fördern. „Kindness, das heißt für uns, mit Wertschätzung aufeinander zuzugehen, das bürgerschaftliche Engagement und die Kulturszene der Stadt zu stärken“, erklärt Initiator Philipp Schmidt.

„Die Lust, selbst etwas zu gestalten“ hätte ihn dazu gebracht, Freunde und Bekannte anzusprechen, und eine Gruppe zu versammeln, die etwas dafür tut, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder mehr gefördert wird. Solche Themen finden der freiberufliche Videoproduzent und seine Mitstreiter in der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Philipp Schmidt sagt: „Was man mit der Bewerbung beabsichtigt, entspricht den Zielen unseres Vereins, darum bringen wir uns gern vielfältig ein.“ Mit dem Motto „Out of the Void“ sei eben auch gemeint, „dass man aus der sozialen und mentalen Leere herausfindet, die in Magdeburg gelegentlich vorherrscht“, betont der 33-Jährige.

„Wir freuen uns über Diskurs zur Kulturhauptstadt-Bewerbung, über Gespräche und wenn Kultur im breitesten Sinne befördert wird“, so Gründungsmitglied Joana Obenauff. Die Gartentherapeutin und -beraterin beschreibt den breiten Kulturbegriff, den sie meinen, mit einem Beispiel: „An der Haltestelle Arndtstraße stand eine alte Holzbank an der Häuserwand, diese wurde zu einem kommunikativen Ort, wo man sich treffen und austauschen konnte. Auch das ist Kultur. Gesprächskultur eben. Solche Orte müssen belebt werden. Die Magdeburger sollen bemerken, dass es andere gibt, die ähnliche Werte teilen wie sie – und auch wenn sie es nicht tun – wahrscheinlich trotzdem nett sind.“

Anlässe und Räume für den Austausch zu schaffen, stünde darum „weit oben bei den Vereinsaufgaben, genau wie Projekte initiieren, die den wertschätzenden Umgang steigern“, so Joana Obenauff.

So vielfältig wie diese Projekte sein können – so bunt gemischt ist auch die Gruppe, die sich dem Schlagwort „Kindness“ verschrieben hat. Philipp Schmidt meint: „Jeder kann sich seiner Profession oder seinen Interessen entsprechend einbringen.“ Und die sind vielfältig. Im Verein trifft der Physiker auf die Designerin, die Musicaldarstellerin auf den Architekten. Gartentherapeutin Joana Obenauff beispielsweise lässt Ideen und Pflanzen wachsen. Aus einem Hof des Soleparks in Schönebeck soll bald ein ökologischer Garten entstehen, wo Menschen mit und ohne gärtnerischem Vorwissen gemeinsam arbeiten. Unter dem Motto „#Herzblut2025“ koordiniert der Verein Blutspende-Termine, um zu demonstrieren, „welchen großen Beitrag die Magdeburger Vereinslandschaft leisten kann, wenn es um die soziale und kulturelle Weiterentwicklung unserer Stadt geht“, so der Initiator.

Eine Einladung anderer Art lockt in den „Kubus 2025“ hinter dem Kloster Unser Lieben Frauen: Vereinsmitglied Anett Klose lässt mit allen, die Lust haben, hin und wieder die Nadeln beim gemeinsamen Stricken und Häkeln glühen – und verwebt hier Gespräche und Handarbeit miteinander. Beim „Stricken für Bedürftige“ entstanden so bereits warme Sachen, die am „World Kindess Day“ an Bedürftige gespendet wurden.

Ins Gespräch kommen die Mitglieder auch immer wieder bei den zahlreichen Stadtteilfesten oder bei Aktionen, wie der Initiative „Eine Stadt für alle“. Dann geht es viel um Kultur und um die Bewerbung, aber nicht nur. „Wichtig ist, dass wir die Menschen erreichen, dass wir vermitteln können, dass in Magdeburg viel mehr passieren könnte und die Kultur einen großen Anteil daran haben kann“, so Philipp Schmidt. „Wir möchten zeigen, dass wir uns alle auf einem gemeinsamen Weg befinden. Wenn wir Kulturhauptstadt Europas werden, dann nicht, weil, Magdeburg in den vergangenen 20 Jahren alles richtig gemacht hat, sondern, weil man jetzt endlich ungenutzte Potenziale stärker nutzen wird.“ Und Joana Obenauff ergänzt: „Wir sensibilisieren Menschen, ermöglichen ihnen Zugang zur Kultur, zu der auch Gartenarbeit, Nachbarschaftstreffen oder einfach der Austausch gehört. So erfahren wir auch, wie die Magdeburger leben, was sie glücklich macht und was sie sich wünschen.“ Ganz praktisch ist daraus bereits ein „Magdeburg Mapping“ entstanden – eine digitale Stadtkarte auf der Vereins-Webseite, auf der Magdeburger zu Wort kommen.

Immer wieder taucht dabei das Thema Europäische Kulturhauptstadt auf – aus ganz verschiedenen Perspektiven. Auch der Vereinsvorsitzende hat seine Sicht: „Es ist ein Glücksfall, dass wir uns beteiligen. Egal, was passiert, allein, diese brachiale Ehrlichkeit des Bewerberbuches ist uns nicht mehr zu nehmen. Wir haben das Bewerbungsbuch auf unsere Website gestellt. Dort kann jeder nachlesen, dass noch viel Luft nach oben ist. Und das ist gut so, das bedeutet, dass wir alle Gestaltungsspielraum haben.“

Der Verein nutzt ihn mit neuen Aktionen und Projekten, wie dem ökologischen Garten im Kunsthof des Soleparks, der bald auch zum Schaugarten wird. Von April bis Oktober wird dann in Schönebeck/Bad Salzelmen bei Workshops nicht nur gegrubbert, gejätet und gepflanzt, sondern auch geredet und gelacht – auch hier gelte das Motto, so Joana Obenauff: „Wer mit den Menschen ins Gespräch kommen möchte, muss Anlässe schaffen.“

Wenn der Verein jetzt die nächsten Schritte plant, Aktionen ins Leben ruft, auf der Straße und im Bekanntenkreis für den Kulturhauptstadt-Titel „trommelt“, will er vor allem eins erreichen: „Kindness fördern“ – die Freundlichkeit, das gesellschaftliche Miteinander. Mitstreiter sind dabei herzlich willkommen. „Wir freuen uns immer über engagierte Mitglieder, die Magdeburg zu einem besseren Ort machen wollen“, so der Stadtfelder Philipp Schmidt.

Auf einen Blick – World Kindness Movement und World Kindness Day:

Den „World Kindness Day“ hat die „World Kindness Movement“ 1998 ins Leben gerufen –  eine internationale Bewegung ohne politische oder religiöse Zwecke. Mitglied sind etwa 30 Nationen, unter anderem Deutschland, Japan, Italien, Südafrika oder die Schweiz. Das Ziel ist, die Menschen zu größerer Freundlichkeit zu inspirieren, indem sie die verschiedenen Nationen verbinden. So soll eine freundlichere Welt geschaffen werden. Der „Weltnettigkeits-Tag“ am 13. November will auf die guten Sachen in der Gemeinschaft aufmerksam machen und zeigen, welche Kraft und Zusammenhalt man durch Freundlichkeit erreichen kann.

 

von Manuela Bock

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